Da sich mittlerweile jede Mutti ein Banksy Poster in die Einbau-Küche hängt und Graffiti schon lange keinen mehr schockiert, haben wir in Kidult einen Meister der Spraydose, der immer noch weiß, wie man für Furore sorgt.

Jeder dürfte KIDULT und was er mit einigen der berühmtesten Schaufenstern rund um den Globus gemacht hat, kennen – Marc Jacobs, Chanel, JC / DC, Agnès b, YSL, Colette bis Supreme in New York City. Was für manche nach radikalem Vandalismus aussieht, ist ein reaktionärer Protest.

 

Lange sind die Zeiten vergessen, in den Graffiti keine dekorative Kunst war, sondern Ausdruck von Ablehnung und Wut im öffentlichen Raum. Heute ist das sprayen im Mainstream angekommen – Gemeinden engagieren Kids um ihre grauen Beton-Ungeheuer mit ein bisschen Farbe zu verschönen, Familien schicken ihre Kleinen an Wocheneden zum Tagging Kurs ins Jugendzentrum. Allen voran hat sich allerdings die Modewelt das Graffiti zueigen gemacht. Subkultur und Slogans werden fröhlich von den Fashionhäusern aufgegriffen und verändert, um Luxus mit „Street-credibility“ zu verkaufen. Doch interessant sind hier Investoren nur die Verkaufszahlen. Anti – verkauft sich und ist so „echt“.

Kidults Tags sind kein Vandalismus, sondern künstlerisches Wutgeschrei. Von Paris, Tokio, London oder New York sind die Machenschaften des Franzosen eine Kampfansage an den Kommerz, Materialismus und Hyper-Konsum in einer Gesellschaft, in der ein gespraytes GG auf einem Stofffetzen ein Statussymbol ist. Während sich andere Graffiti-Künstler dem Mammon verschreiben und der Demonstration aus der Dose jede Legitimität genommen haben, schlägt Kidult, das System mit seinen eigenen Waffen. Die Kunst ist tot. Lang lebe die Kunst.



							

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