Man kam an diesem Film nicht vorbei. Wochenlang fühlte es sich so an, als würde das Internet selbst Pingpong spielen. Übergroße orange Bälle, Pop-up-Stores, absurde Promo-Clips, Timothée Chalamet in einer Dauerschleife aus Meta-Witz und maximaler Präsenz. Selbst wer den Film nicht sehen wollte, wusste davon. Marty Supreme war überall, lange bevor er im Kino lief.
Zum Glück hält der Film diesem Wahnsinn stand. Josh Safdie inszeniert kein klassisches Sportdrama, sondern einen fiebrigen, rasend schnellen Trip durch die Welt von Marty Mauser. Chalamet spielt ihn als nervösen Hustler mit Größenwahn, Charme und einer bemerkenswerten Gleichgültigkeit gegenüber Moral. Er lügt, betrügt und stolpert sich Richtung Tischtennis-Ruhm, und ist dabei trotzdem durchgehend fesselnd. Jeder Auftritt fühlt sich an wie ein Ballwechsel kurz vor dem Kontrollverlust.
An seiner Seite bringt Gwyneth Paltrow als Kay Stone Ruhe, Eleganz und ein sehr bewusstes Spiel mit Macht und Verführung ins Chaos. Ihre Figur sieht Marty klarer, als er sich selbst sieht, und genau diese Dynamik gibt dem Film überraschende Tiefe. Safdies New York der frühen Fünfziger ist dicht, laut und voller Energie, ein Ort, in dem Ambition schneller ist als Vernunft.
Tischtennis ist hier weniger Sport als Rhythmus. Der Film bewegt sich, spricht und eskaliert wie ein Match auf Speed. Marty Supreme ist wild, überdreht, manchmal zu lang und trotzdem kaum aus dem Kopf zu bekommen. Vielleicht war genau deshalb diese Pressetour so maßlos. Der Film verlangt Aufmerksamkeit. Und bekommt sie.



