Coperni SS23

Coperni und das Ende des Spektakels

Eine Sprühdose als meistgeteilter Fashion-Moment des Jahres: Das hat so nur Coperni hinbekommen. Seit dem 4. November steht fest, dass die Coperni SAS den Betrieb einstellt. Und je genauer man hinschaut, desto weniger geht es um ein einzelnes Label und desto mehr darum, wie zerbrechlich unabhängige Mode gerade ist.

Wem gehört eigentlich der Name?

Kurz zur Lage: Aus Sicht der Gründer Arnaud Vaillant und Sébastien Meyer liegt die Schuld bei Tomorrow. Das Unternehmen hält die Mehrheit an Coperni und ist zugleich exklusiver Vertriebspartner. Berichten zufolge werfen die Gründer Tomorrow vor, Coperni zustehende Gelder nicht gezahlt und den Lizenzvertrag beendet zu haben. Progetto 11, seit März neuer Eigentümer von Tomorrow, spricht dagegen von einem Geschäft, das schon bei der Übernahme im Streit um Besitz und Kontrolle steckte. Ein Urteil gibt es nicht, mit Schuldzuweisungen ist also Vorsicht geboten.

Das eigentlich Krasse steht im Kleingedruckten. Laut Vanity Teen lagen die Markenrechte nicht bei der Pariser Firma, die die Kollektionen entworfen hat, sondern bei einer britischen Gesellschaft mit Verbindung zu Tomorrow. Stimmt das, hätte ein Käufer zwar Team, Archiv und Lager übernehmen können, nicht aber den Namen auf dem Etikett. Keines der Übernahmeangebote, von denen berichtet wird, konnte die Firma retten.

Auch die Zahlen, die Vanity Teen nennt, passen ins Bild: Demnach fiel der Markenumsatz von 15,2 Millionen Euro (2023) auf 10,9 Millionen (2025), und die französische Firma rutschte trotz wachsender Einnahmen in die Verlustzone.

Reichweite ist kein Kontostand

Coperni ist nicht allein. Marine Serre und Études sollen sich in gerichtlicher Sanierung befinden, Y/Project, Mara Hoffman und The Vampire’s Wife gibt es nicht mehr. Lauter Labels, die jeder kennt und die trotzdem nicht durchgekommen sind.

Die Branche hat sich offenbar etwas vorgemacht. Reichweite wurde wie eine Währung behandelt, und eine Zeit lang ging das sogar gut. Nur zahlt ein viraler Moment keine Produzenten, und ein großer Store auf der Stockist-Liste ist erst dann etwas wert, wenn er auch überweist. Wie schnell genau das kippen kann, haben Matches und Farfetch gezeigt.

Dazu kommt ein Modell, das jungen Labels Vertrieb, Showroom und Investment aus einer Hand verspricht. Klingt bequem. Wenn aber derselbe Partner die Ware verkauft, das Geld einsammelt und an der Firma beteiligt ist, hängt die Zukunft des Labels an seiner. Und Tomorrow selbst steckte in finanziellen Schwierigkeiten, bevor es im März an Progetto 11 ging.

Was bleibt

Die Moral der Geschichte ist nicht: weniger träumen. Sondern früher die langweiligen Fragen stellen. Wem gehört die Marke? Wer zahlt wann? Wie lange überlebt man eine schlechte Saison? Was passiert, wenn man sich mit dem Investor zerstreitet? Daraus wird nie ein Instagram-Moment, aber genau davon hängt ab, ob es eine nächste Kollektion gibt.

Coperni hat bewiesen, dass ein junges Label die ganze Welt zum Hinschauen bringen kann. Dass das allein nicht reicht, zeigt sein Ende.