Die letzten Saisons in London waren eher so meh. Diesmal nicht. McQueen kommt aus Paris nach Hause, Christopher Kane feiert sein Comeback, M&S gibt sein Debüt und Erdem seinen 20. Geburtstag. London Fashion Week ist wieder da, und zwar richtig. Hier sind die Shows, die man gesehen haben muss.
McQueen
McQueen ist zurück in London, und Seán McGirr fühlt sich hier einfach zu Hause. Auch, weil er während der Fashion Week in seinem eigenen Bett schlafen konnte. Zurück ist auch Shaun Leane, der Juwelier, dessen scharfkantige Metallarbeiten schon bei Lee Alexander McQueen auf dem Laufsteg zu sehen waren. Inspiration waren Piero della Francescas „Die Taufe Christi“ und Londons junge Raver. Das Ergebnis: fließende, figurbetonte Kleider, Tie-Dye-Jackets und Roben mit silbernen Blättern, die beim Laufen klimpern. Manche Kleider wurden von Lederharnessen gehalten, bei Karen Elson von einem aus recyceltem Silber, von Leane extra für die Show entworfen. Für die Herren gab es drei maßgeschneiderte Silhouetten von Huntsman aus der Savile Row.
H&M
H&M hat die Woche eröffnet, und zwar groß. Über 700 Gäste in der Olympia London, konzipiert mit Nick Knight und Showstudio. Auf dem Laufsteg: Alex Consani, Paloma Elsesser, Karen Elson, Lila Moss und einige mehr. Den Soundtrack hat Labrinth gemacht, der dann auch noch spontan „I Want to Know What Love Is“ von Foreigner gesungen hat. Die Teile gab es direkt am nächsten Tag im Laden.
Mulberry
Das heißeste Ticket der Woche. Christopher Kane hat sein Debüt als Creative Director bei Mulberry gegeben, drei Jahre nachdem er sein eigenes Label mit seiner Schwester Tammy geschlossen hatte. Ein Comeback, auf das London ziemlich lange gewartet hat.
M&S
Das erste Mal auf der London Fashion Week, verteilt über mehrere Etagen im Design Museum. In der Front Row saßen Jessie Ware, Dame Joan Collins und Pixie Geldof. Gelaufen sind Lara Stone, Karen Elson, Lennon Gallagher und Erin O’Connor, die die Show geschlossen hat. Den lautesten Jubel gab es aber für Jodie Kidd. Farblich viel Schwarz, Creme, Khaki und Burgunder, dazu Kobaltblau, Rot und Metallics. Das Highlight: ein silbernes Paillettenkleid mit schwarzem Mesh.
Simone Rocha
Nachdem Simone Rocha ihre Menswear im Juni bei Pitti Uomo gezeigt hat, gab es im Old Bailey diesmal nur Womenswear. Und alles etwas reduzierter. Weniger Story, mehr Reinheit, ein bisschen unperfekt. Mal durchsichtige Slipdresses und Ausschnitte bis zum Bauchnabel, mal hohe Kragen, die das Gesicht einrahmen. Neu in ihrer Farbpalette: Flieder. Inspiration war Caravaggios „Die Gefangennahme Christi“, das jahrzehntelang verschollen war und in den 90ern in einem Esszimmer in Dublin wieder auftauchte. Das Schönste am unerwartetsten Ort, das war die Idee.
Erdem
20 Jahre Erdem, und diesmal in der Roundhouse in Camden. Die Muse der Saison: Barbette, ein amerikanischer Trapezkünstler, der in den 1920ern in Paris mit seiner Gender-Bending-Show die Avantgarde begeistert hat, Jean Cocteau inklusive. Genau zwischen diesen Welten bewegt sich auch die Kollektion. Kristallbestickte Kleider aus Tüll und Crushed Satin, dazu ein kurzer Zirkusdirektor-Smoking mit Fransen am Revers und Sakkos im Prince-of-Wales-Karo. Und ein Smoking mit Straußenfedern. Warum auch nicht.
Roksanda
Sonne, die Terrassen des National Theatre und in der Front Row Joely Richardson, Zawe Ashton und Katarina Johnson-Thompson. Inspiriert von den riesigen geflochtenen Skulpturen der Textilkünstlerin Françoise Grossen wurde es bei Roksanda alltagstauglicher als zuletzt. Weniger Abendroben, mehr lässige Boxy-Suits in Schokobraun, Stroh und Navy, kombiniert mit Flechtdetails. Dazu fragmentierte Porträt-Prints und Streifen, die für die Marke ganz neu sind.



