Paris ist diese Woche fast geschmolzen. Mitten in der Männer-Fashion-Week kletterte das Thermometer Richtung 40 Grad, und mehrere Designer mussten ihre Shows verschieben, damit im Publikum niemand umkippt. Jonathan Anderson zog seine Dior SS27 Show kurzerhand auf neun Uhr morgens vor, bei angenehmen 29 Grad statt 38 am Nachmittag. Heißt: Statt eines entspannten Nachmittags gab es eine Party zum Frühstück. Es war Andersons dritte Männershow für das Haus.
Disco im Schloss
Schon die Einladung war eine Ansage: eine schwarze, glitzernde Discokugel, ein Gruß ans legendäre Studio 54. Gezeigt wurde im Musée Nissim de Camondo, einem Pariser Museum für Kunsthandwerk, das gerade bis 2030 umgebaut wird und unter anderem Stücke besitzt, die mal Marie Antoinette gehörten. An den Wänden hingen venezianische Harlekin-Masken, ein Nicken Richtung Maskenbälle des 18. Jahrhunderts. Das erste Model kam in Stille rein, steckte ein Aux-Kabel in die Boxen, und dann vibrierte das ganze Schloss vor schnellem Elektro.
Glitzer trifft Schnitt
Anderson mag es zunehmend glänzend, und diese Show war die funkelndste bisher. Auf dem Laufsteg: zwei Hosen komplett mit Strass besetzt, eine in Silber, eine in Gold, dazu jede Menge Lamé. Glitzer steckte in Jacken, Strick und ausgefransten Kanten, einfach überall. Der heimliche Star war aber der Smoking, immer wieder neu gedacht, mit der geschwungenen Revers-Linie auf kurzen Bombern und langen Mänteln. Daneben griff Anderson erneut zum Schredder und riss Strick und Denim auf. Und damit es nicht nur Party bleibt, gab es handfestes Tailoring: ein lädiertes Tweed-Bar-Jacket und Mäntel mit tiefem Revers, inspiriert von einem Archivstück von Marc Bohan.
Erst der Sound, dann die Klamotten
Den Soundtrack baute Fred Again..?, mit dem Anderson nach eigener Aussage schon lange mal arbeiten wollte. Er mischte ein eigenes Set zusammen, mit Beiträgen von Headie One über Young Thug bis zu Originalstimmen von Christine and the Queens.



