Über zehn Jahre ist es her, dass man wirklich etwas von ihm gehört hat. Jetzt ist der Mann, der Celebrity-Fotografie zu einer Kunstform gemacht hat, zurück und zwar gleich im Doppelpack.

Es ist nur schwer vorstellbar, wie Promi-Fotos aussehen würden, wenn es David LaChapelle nicht gegeben hätte. Über drei Jahrzehnte hat der Amerikaner die A-List rauf und runter abgelichtet. Ob Pamela Anderson, Tupac, Hillary Clinton, Leonardo DiCaprio oder Michael Jackson – alle haben vor seiner Linse gestanden. Vogue, Vanity Fair, Rolling Stone – kein Magazin, dass nicht in die surreale Bilderwelt des 54-jährigen eingetaucht und in seiner unorthodoxen Ästhetik versunken ist. Taschen hat nun die zwei letzten Teile seiner fünfteiligen Anthologie veröffentlicht. Lost & Found (Part I) und Good News (Part II) zeigen die zwei Seiten des Star-Fotografen – die Celebrity und Fashion Arbeiten, die seine Karriere geprägt haben, aber auch die Kunst, die ihm wohl am meistem am Herzen liegt.

Celebrity als Ersatzreligion

LaChapelle wuchs im New York der 80er auf und bekam seinen ersten Job von Pop Art-Ikone Andy Warhol persönlich. Doch Interview Magazine und Downtown waren nur der Anfang: Keine Hochglanz Publikation oder Fashion Kampagne kam ohne seine Bilder aus.

Während Fotografen wie Tim Walker, ebenfalls ins Märchenland und Traumwelten entführten, war LaChapelle deutlich schonungsloser. Nichts war zu riskant oder zu subversiv – was ihm in den 90ern zum Spitznamen „Fellini der Fotografie“ verhalf.

Unzählige Star-Portraits und Musikvideos folgten. Christina Aguileras „Dirrty“ oder Britney Spears Suizid in der Badewanne („Everytime“) prägten eine ganze Generation. LaChapelle brachte den Schock in Shock Value und Provokation war sein Markenzeichen. Lost + Found (Part I) ist eine Hommage an 30 Jahre des Blitzlichts und den Aufstieg einer Ikone – shiny, polished, ein Spiegel der Popkultur und unserer Gesellschaft, in der Stars wie Götter verehrt werden.

Lang ist der Weg und beschwerlich

Am Höhepunkt seiner Karriere, zwischen Covern und Kampagnen, packte LaChapelle 2006 seine Sachen und zog nach Hawaii. Seine Arbeiten heute sind „Fine Art“. Während er in seinen kommerziellen Werken der Gesellschaft den Spiegel vorhielt, ist seine bildende Kunst ein Prisma – dunkler, mystischer und biblisch. Doch der Sprung von den Hochglanzseiten in die Kunstgalerien war nicht einfach. Gescholten von Kritikern, seine Arbeiten seien zu gimmicky und anrüchig, konnte nichts das dicke Fell des Meisters der Kamera erschüttern.

Good News (Part II) zeigt eine thematische Evolution – Religion, Endzeit-Szenarien, Portraits seiner an Aids erkrankten Freunde als Engel aus den 80ern und seine bis heute andauernde Serie „Paradise“, welche eine Art Utopie auf Erden feiert.

Taschen und David LaChapelle haben gemeinsam das Coffee Table Book revolutioniert und nach all den Jahren nun einen würdigen Abschluss gegeben. Von den Anfängen als Warhol-Jünger, über seinen Aufstieg zum Star-Fotografen und sein spirituelles und künstlerisches Revival.


Zu kaufen gibt es die beiden XXL Fotobücher hier:

David LaChapelle. Lost + Found. Part I
Hardcover mit Ausklappseiten in einer Box, 278 Seiten
€ 50

David LaChapelle. Good News. Part II
Hardcover in einer Box, 276 Seiten
€ 50

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