1998 war ein ereignisreiches Jahr für die Klatsch und Tratsch Branche. George Michael, der damals noch nicht schwul war, wurde wegen „Erregung öffentlichen Ärgernisses“ verhaftet, nachdem er Sex mit einem Mann in einem öffentlichen Klo irgendwo in einem Park in Beverly Hills hatte. Carmen Electra und Profi-Basketballer Dennis Rodman heirateten und ließen sich scheiden in rasanten neun Tagen. Die damals noch gar nicht ökologische Gwyneth Paltrow schoss Brad Pitt in den Wind und datete von nun an Ben Affleck. In 15 Jahren von Gerüchten und Skandalen hat sich einiges getan, aber vor allem hat die Yellow Press sich selbst verändert. Die Art wie wir Stories verfolgen, welche Stories verfolgt werden und wie wir überhaupt von irgendetwas aus der Promiwelt erfahren, hat sich grundlegend verändert. Hier ist die Metamorphose des Gossip.

Vor 15 Jahren waren Handys noch Mangelware. Und diejenigen, die eine Kamera oder einen Camcorder mit sich umher geschleppt haben, wären nicht in der Lage gewesen Bilder in Sekunden mit der Welt zu teilen. Geschweige denn hätten sie sich die Mühe für so etwas unwichtiges wie die Wehwehchen von Stars und Sternchen gemacht. YouTube und Facebook waren noch nicht erfunden und auch die e-Mail war noch ungeläufig. Die Constanze Ricks von damals mussten noch richtig schuften. Sie mussten sich auf den Hollywood Parties die Beine in den Bauch stehen und jeden, der etwas wissen konnte, unter den Tisch saufen bis er damit rausrückte.

Die Evolution des Klatsch und Tratsch

Heute umgehen die Celebrities diese Mittelsmänner einfach. News wie „Ich bin Schwanger“ oder „Ich gehe in eine Entzugsklinik“, „Ich bin draußen aus der Entzugsklinik!“ oder „Ich gehe doch noch mal in die Entzugsklinik!“ werden heute per Social Media veröffentlicht. Bilder von einem Verlobungsring, den neuen Brüsten oder von Miley Cyrus Körper, von dem jeder mehr gesehen haben dürfte als von seinem eigenen, werden heute mehr oder minder subtil via Instagram, Facebook, Twitter oder Tumblr unter die Leute gebracht.

Warum sollten die Stars es auch nicht tun? Irgendjemand wird die Neuigkeit schon verbreiten und die Aufregung über das vermeintlich entdeckte beschert unzählige Besucher für die eigene Website oder jede Menge neue Follower – was sich heutzutage direkt in bares Geld umrechnen lässt. Blabla hat 6 Millionen Follower bei Twitter. Sie ist total angesagt bei jungen Leuten. Sie braucht sofort einen Vertrag mit einem Kosmetikhersteller. Egal ob Zac Efron sich auf Koks den Kiefer bricht, die ehemaligen Besties Lady Gaga und Perez Hilton sich wirklich streiten oder nur Gagas vor sich hin dümpelndes Album promoten wollen – für Schlagzeilen sorgt man heute selbst.

Trotz des Siegeszuges von Facebook und Co seit damals gibt es immer noch den guten alten Weg Klatsch und Trash zu konsumieren. Allerdings haben sich die Namen ein bisschen geändert. 1998 wurden die Skandale und Missgeschicke der Berühmtheiten von der absoluten Elite ausgegraben. Variety, Hollywood Reporter und natürlich das Schwergewicht im Promi-Rumble die „Page Six“ der New York Post. Magazine wie In Touch, Life & Style oder OK!, die sich mit dem Lebenswandel der Reichen und Schönen auseinander setzten, waren noch nicht geboren.

 Heute können selbst wöchentlich erscheinende Magazine wie Bunte oder Gala nicht mit der Geschwindigkeit des Internet mithalten. Sie müssen sich auf die alten und schwachen Promis konzentrieren – die kein Twitter haben, kaum vor die Tür gehen und für die sich kein Schwein interessiert. Die Gossip-Websites sind wie Pilze aus dem Boden geschossen. Allen voran natürlich TMZ – hier wird nicht etwa stündlich geupdated; minütlich werden hier Celebritie News in den Äther geschickt. Wenn irgendwo irgendetwas in Hollywoodland passiert, steht es auf TMZ.

 

Höher, schneller, trashiger

Natürlich muss man bei einem derartigen Verschleiß an Geschichten den Kreis derer größer ziehen, die sie produzieren. Die Qualität an Celebrities hat sich drastisch verändert. Filmstars dachten damals noch, dass Fernsehen unter ihrer Würde sei und jeder im Fernsehen versuchte es auf die große Leinwand zu schaffen. Paris Hilton ging noch zur Schule und lernte wie man auf Tischen tanzt oder seine Pflaume der Öffentlichkeit beim Aussteigen aus einem Auto präsentiert. Vor 15 Jahren war MTVs Real World die erste Reality Show der Welt und niemand glaubte an ihren Erfolg. Johnny Depp und Kate Moss waren noch ein Paar und Paparazzi waren eine gefährdete Spezies.

 

Heute gibt es ganze Horden von ihnen. Immer häufiger sind ihre großen Schüsse, die eines Reality TV Stars, der gerade wieder ein Sex Tape herausgebracht hat um berühmt zu werden. Filmstars sind zwar immer noch Filmstars, aber das große Geld liegt beim Fernsehen. Serienstars sind Publikumslieblinge und das über Jahre hinweg. Schauspieler, die einst die Nase über Scripted Reality gerümpft haben, betteln bei den Sendern um eine eigene Show à la Osbournes. An den Küsten von Jersey oder Gordie wird gebechert oder gepimpert bis der Arzt kommt und mit bloßen Fäusten um die 15 Minuten Ruhm gekämpft. Selbst wenn die ganze Branche den Bach runter zu gehen scheint – Hand aufs Herz – Wer könnte ohne Menschen wie Snooki und Konsorten noch leben?